Letzter Vorhang

Zum letzten Mal: Samt&Selters im Hasenlook, fotografiert von Thomas Holzmann
Zum letzten Mal: Samt&Selters im Hasenlook, fotografiert von Thomas Holzmann
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Die Spielzeit 2016/17 ist am Theater Regensburg grade zu Ende gegangen, überall herrscht Frischluftfieber und Sommerpause-Lenz. Zeit auch für Samt&Selters „Tschüss“ zu sagen – bei uns allerdings ist es ein endgültiger Abschied.

Nach zwei aufregenden Jahren beenden wir unser Blog-Projekt. Wir tun das mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Wir wechseln die Seiten und machen nun selber (noch mehr) Theater. Tina ist schon seit ein paar Monaten als Dramaturgin und als Referentin für Presse/Öffentlichkeitsarbeit am Landestheater Oberpfalz tätig. Judith hingegen hat es nach Oberbayern verschlagen – am Stadttheater Ingolstadt ist sie seit Juli als Dramaturgin aktiv.

Spannende neue Aufgaben, keine Frage. Dennoch wird uns Samt&Selters ganz sicher fehlen.

Und zwar wegen:

  • der wunderbaren Theaterabende, an denen wir ganz beglückt aus dem Saal kamen und unser Umfeld – ob sie nun wollten oder nicht – mit Lobeshymnen überhäuften…
  • der ganz schrecklichen Abende, an denen wir kopfschüttelnd in den Sesseln hingen und dantheater_bier_teaser2ach so schnell wie möglich aus dem Theater schlichen, um niemanden live sagen zu müssen, was alles schlimm war…
  • der Premierenfeiern, die immer viel zu lang gingen und deren Restalkohol das Erscheinen der ein oder anderen Kritik doch erheblich verzögerten…
  • dem Format „Theater & Bier„, mit dem wir regelmäßig und locker in der Kneipe über gemeinsam verbrachte Theaterabende geplaudert haben
  • der Sonntagmorgen mit Laptop im Bett (Judith) oder auf dem Indoorbalkon (Tina), wenn man den „Veröffentlichen“-Button drückte und es geschafft hatte, noch vor MZ, Donaupost, TVA etc. die Rezension fertig gestellt zu haben…
  • der Bayerischen Theatertage, durch die unser Blog weit über Regensburg hinaus bekannt wurde und dank derer wir in zwei Wochen mehr Theater gesehen und kritisiert haben als wir es je für möglich gehalten hätten…
  • der vielen interessanten Theatermenschen, die wir kennenlernen durften und die mit uns auch nach dem ein oder anderen Verriss noch ein ernstes Wort sprechen wollten
  • der Menschen, die digital und auch ganz live auf uns zugekommen sind und mit uns über Theater diskutieren wollten
  • der vielen Kuchen, deren Strom aus dem Theater irgendwie nie versiegte
  • der Badewanne mit Geld, die wir uns mit Gerhard Hermann beim Theaterball teilen durften
  • dem Glitzervorhang an der Wand (auch Theaterball), der Judith so hervorragend stand
  • der Erkenntnis, dass sich bei Neuer Dramatik die Kritikerinnen-Geister doch erheblich scheiden und und und…

Weil Bilanz ziehen ja auch immer was mit Zahlen zu tun hat – gibts hier noch eine kleine Abschlussstatistik.

In zwei Jahren haben wir 105 Posts in 19 Kategorien geschrieben. Während Tina ein totaler Slacker war und nur 31 (!) eigene Posts in den zwei Jahren zuwege gebracht hat, konnte Judith die restlichen satten 74 für sich verbuchen (okay, ein paar haben wir auch gemeinsam geschrieben, wie diesen hier).

Besucht haben uns 70.905 unique visitors (also Leute), mit insgesamt 412.959 page impressions.

Grundsätzlich habt ihr unsere Opernkritiken immer am liebsten gelesen, ganz an der Spitze die Kritik von Martha mit 16.689 Aufrufen. In der Schauspielsparte wart ihr vor allem an der Hamlet-Kritik interessiert, mit 15.427 Aufrufen der Renner in dem Bereich.

Unsere Lieblingssuchwörter, die tatsächlich auf unser Blog geführt haben, waren unter anderem:

saftundseltsamt_und_selters_byebyeers.de„, „samt und selers„, „sekt und selters„, „Judith und Tina“ und alles dazwischen

die gartenlaube lsd“ (das klingt nach einem spannenden Stück, hätten wir gerne den Text zu bitte danke)

komödie im dunkeln deutung ende“ (wir haben die Komödie im Dunkeln zwar kritisiert, aber ob wir in der Deutung des Endes so hilfreich waren, wissen wir letztendlich auch nicht)

schwarmintelligenz bei pinguinen“ (we kid you not. Ob die Suchenden hart enttäuscht von unserer Kritik von „Pinguine können keinen Käsekuchen essen“ waren? :))

lemonbrothers regensburg kritik“ (klingt erfrischend. In der Tat hat Judith aber mit den „Lehman Brothers“ ein bisschen gefremdelt)

Und natürlich der Top-Favorit im Suchwortarchiv: „Gefährliche Hasenmasken„. Yeah. Wenn wir euch so im Gedächtnis bleiben, dann hat sich das Projekt schon gelohnt.

 

Besonders in Erinnerungen werden uns auch so manche Fragen bleiben, die uns gestellt wurden:

Frage: Warum tut ihr das? Das ist doch soviel Arbeit.
Antwort: Es nennt sich Leidenschaft. Mit einem Hang zum Masochismus.

Frage: Wie viel verdient ihr damit?
Antwort: Nix. Wie die meisten Blogger. (Und kosten tut’s auch noch was, nämlich Domain- und Hostingkosten)

Frage: Wer von Euch ist jetzt Samt und wer ist Selters?
Antwort: Darüber hatten wir nie nachgedacht, haben aber als die Frage zum x-ten Mal gestellt wurde, beschlossen, dass Judith Samt und Tina Selters ist. Oder umgekehrt.

Frage: Bei den Theatertagen gab es zwei Mädels, die sind mit Hasenmasken rumgelaufen und jeden Tag ins Theater gegangen. Kennt ihr die?
Antwort: Ja, das waren wir (Tina möchte dazu anmerken, dass sie einen schier endlos langen heißen Tag mit einem Requisiten-Hochzeitskleid rumgelaufen ist, um diese Fotos zu produzieren. Tina hasst Kleider und möchte retrospektiv noch eine Runde Mitleid dafür :D)

Frage: Wir würden gerne eine Produktion des Theaters als Gastspiel buchen. Können Sie uns weiterhelfen?
Antwort: Wir konnten weiterleiten, aber wieso man den Kritikern die Frage nach der Produktion stellt, haben wir nie so ganz kapiert…

Als wir unseren Blog 2015 ins Leben gerufen haben, war die unser Ziel ein Format zu finden, das sich mit Theater in der Region auseinandersetzt und sich dabei nicht ganz so ernst nimmt. Unsere Rezensionen sollten unterhaltsam mit einem Augenzwinkern sein, die schnelle Lektüre für zwischendurch. Was die Kürze angeht, sind wir deutlich gescheitert, denn die Texte wurden immer länger…

Zum Blog kam nach kurzer Zeit unsere Facebookseite dazu, auf der wir Kurzkritiken zu Veranstaltungen veröffentlicht haben und bei Events wie dem Theaterball live berichtet haben, so auch auf Twitter und Instagram. Außerdem haben wir im November 2016 noch schnell das 1. Bloggertreffen Regensburgs initiiert, weil wir all die anderen Blogverrückten Regensburger und Regensburgerinnen kennenlernen wollten.

Wir hatten eine Sause. Wir haben viele Abende gesehen, die uns begeistert, entzückt, verliebt und traurig gemacht haben, die uns zu Tränen gerührt haben oder uns völlig neue Perspektiven auf das Theater, oder das Leben eröffnen konnten. Klar haben wir uns auch manchmal gelangweilt, uns angegriffen gefühlt oder etwas für politisch inkorrekt gehalten. Theater ist halt das echte Leben komprimiert auf einen Abend.

Wir bedanken uns beim Theater Regensburg und den kleineren Bühnen für die immer reibungslose professionelle Zusammenarbeit und bei euch, den Leserinnen und Lesern, für die Treue. Gehabt euch wohl. Gründet Theaterblogs. Und vor allem: geht ins Theater, Hasis!