Wildes Tanzdinner

SALOME: Johannes Preissinger, Dara Hobbs und Ensemble, Foto: Jochen Quast
SALOME: Johannes Preissinger, Dara Hobbs und Ensemble, Foto: Jochen Quast
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Einmal Altes Testament bitte! Mit „Salome“, einem Musikdrama von Richard Strauss, bringt das Theater eine biblische Geschichte in viktorianischem Style auf die Bühne und setzt damit seine Reihe der ungewöhnlichen Musiktheater-Produktionen in dieser Spielzeit fort.

Salome

Musikdrama in einem Aufzug von Richard Strauss (1864–1949), nach Oscar Wildes gleichnamiger Dichtung (Übers: H. Lachmann)

Musikalische Leitung: Ido Arad – Inszenierung: Brigitte Fassbaender – Bühne und Kostüme: Helfried Lauckner – Choreographie: Martin Dvořák – Licht: Wanja Ostrower – Dramaturgie: Christina Schmidt – Mit: Martin Dvořák, Johannes Preissinger, Vera Egorova, Dara Hobbs, Adam Krużel, Yinjia Gong, Vera Semieniuk, Angelo Pollak,  Matthias Laferi, Rae-Joo Kim, Brent L. Damkier, Mario Klein, Jongmin Yoon, Sehoon Ha, Mert Öztaner, Thomas Lackinger, Sang-Sun Lee & Katrin Poemmerl sowie Philharmonisches Orchester und Statisterie

Premiere: 07. Mai 2017, Theater Regensburg, Theater am Bismarckplatz (besuchte Veranstaltung: 10. Mai)

Feinschmecker wissen, dass richtig gutes Olivenöl nicht angenehm mild, sondern scharf-pikant schmecken muss. Nach Sardinien pilgern Gourmets aus aller Welt um den Casu Marzu, einen Käse mit Maden, zu essen. Was für den einen nach schwer verträglicher Kost klingt, ist für den anderen eine Delikatesse. Jenseits des persönlichen Gusto braucht es für so manche Spezialität auch schlichtweg einen über Jahre geschulten Geschmack, um das Besondere zu schätzen zu wissen. Das erste Glas schwersten Rotweins mit intensiver Barrique-Note wird jemandem kaum munden, wenn er Vino Rosso aus dem Aldi-Tetrapack gewohnt ist.

Um einen solch edlen, aber auch staubtrockenen Tropfen handelt es sich bei Richard Strauss‘ Oper Salome, die am Sonntag in der Inszenierung von Brigitte Fassbaender am Theater Regensburg Premiere feierte. Die biblische Geschichte der Prinzessin Salome, die den Kopf von Johannes dem Täufer fordert und ihn vom lüsternden König Herrodes schließlich geschenkt bekommt, diente Oscar Wilde als Textvorlage für eine Erzählung. Diese wiederum faszinierte den Komponisten Richard Strauss dermaßen, dass er sich entschloss, eine Art Musikdrama daraus zu machen.

Nix schöne blaue Donau – Londoner Salon ist angesagt

Wer da nun ein orientalisch angehauchtes Kitschgeklingel oder imposant-schmissige Unterhaltung erwartet, der verwechselt Richard Strauss mit der gleichnamigen Walzer-Dynastie aus Österreich. Ein schwerer Fehler – leichtfüßig ist an Salome nämlich gar nichts. Bei der Premiere an der Semperoper im Jahre 1905 soll es Aufstände im Ensemble gegeben haben, da man vor allem die Solostimmen für unsingbar hielt. Zur Aufführung kam es dann aber letzten Endes dennoch.

Geschmeidiger ist Salome für das Ohr des Zuhörers auch im Verlauf eines ganzen Jahrhunderts nicht geworden und so dürfte sich auch die Regensburger Version in erster Linie an Musiktheater-Connaisseurs richten. Es ist eben diese ganze eigene Opern-Ästhetik, die Fans in Verzückung versetzt, bei vielen anderen aber nur ein großes Fragezeichen im Gesicht hinterlässt: Himmelblau-wallende Tüllgewänder, Perücken, Federn und Menschen auf der Bühne, die alltägliche Aussage wie „Oh, es ist aber kalt. Der Wind weht“ in fünf Coloraturen aus vollster Kehle in den Orchestergraben schmettern. Das kann man seltsam finden – ist aber so und im Zweifel muss man sich darauf einfach mal einlassen.

Nach der umjubelten Premiere glänzte auch bei der zweiten Vorstellung Gast-Solistin Dara Hobbs in ihrer Rolle als Salome mit einem fast schon schneidenden, weil so glasklaren Sopran. Adam Krużel gab als Jochanaan – der biblische Johannes – das Opfer der Intrigen am Hof von Herodes (Johannes Preissinger) und Herodias (Vera Egorova). Bühne und Kostüme von Helfried Lauckner dürften das traditionsbewusste Abonnenten-Publikum mit dem Wunsch nach ästhetisch Ansprechendem endlich einmal wieder zufriedengestellt haben – spannend war daran aber wenig. Und so hätte es weitergehen können mit diesem Stoff, der keine großen Überraschungen bereithält und mit der Darstellung der männermordenden Wahnsinnigen reichlich platt daherkommt.

Mut zur Doppelbödigkeit auf dem Tanzparkett

Um das zu verhindern, baut Fassbaender eine weitere Ebene ein: Sie verlegt die Handlung in Oscar Wildes Wohnzimmer und lässt mit Martin Dvořák einen Wilde-Doppelgänger durch die Szenerie tanzen. Das ist weit mehr als nur ein netter Einfall – es gibt dem Stück einen völlig neuen Charakter. Jenseits der eigentlichen Handlung erzählt Dvořáks Tanz eine ganz eigene Geschichte – nämlich die vom melancholischen Schriftsteller, der wegen seiner Homosexualität im prüden England seiner Zeit zu Haft und Zwangsarbeit verurteilt wurde. Aus dem Bühnenboden fährt eine Art Zahnrad, auf dem sich die Wilde-Figur abquält und das auf die „Tretmühlen“ verweist, in denen der historische Wilde schuften musste.

Ein gutes Bild – allerdings eines, für dessen Verständnis man das (lesenswerte und durchaus kurzweilige) Programmheft bemühen muss. Dafür bleibt aber während des nur neunzig Minuten dauernden Einakters auch zugegebenermaßen genügend Zeit. Denn bei allem Bemühen um Mehrdeutigkeit und Bewegung ist Salome ein stellenweise doch recht behäbiger Abend. Man ist vom festen Ensemble des Theaters mehr Spielfreude gewohnt als Johannes Preissinger (der mit seinem zischelnden S ein wenig an den verstorbenen Literaten und Kritiker Reich-Ranicki erinnert) und Hobbs ausstrahlen – die große gesangliche Leistung beider dabei unbenommen.

Es gehört zu den Grundbedingungen von Opern-Besetzungen, dass nach Stimme bzw. Stimmfach ausgewählt wird und nicht nach Typ oder Optik. Natürlich. Und dennoch fällt es wirklich schwer die Erotik dieser Salome, die den Stiefvater in den wollüstigen Wahnsinn treibt, erkennen zu können, wenn doch Salomes Mutter Herodias, gesungen und agil gespielt von Vera Egorova, ungleich vitaler und frischer wirkt. Krużels Bariton mag noch so warmherzig und voll sein – dass Salome deswegen in Blutrausch und Rachsucht verfallen soll, verlangt nun wirklich ein hohes Maß an Phantasie beim Zuschauer.

Auch hier springt Dvořák ein und vollführt Salomes Tanz, der Herodes zum Mord an Jochanaan bringen soll, selbst. Am Ende wiederum verschmilzt er mit dem Propheten und so ist es die Wilde-Figur, die schließlich geköpft unter dem Kleid Salomes liegt. Das ist konsequent und mit einem großen Mut zu ausladender Symbolik gemacht, die aber nicht immer aufgeht. Warum Wilde auf der Tretmühle steht, mag man verstehen – Jochanaan hat darauf hingegen wenig verloren. Vielleicht ist es zu viel verlangt von Strauss‘ Vorlage, eine tatsächliche Psychologie der Figuren erkennen zu wollen – man findet sie jedenfalls weder auf noch unter den Perserteppichen von Wildes Bühnenwohnung.

Fassbaenders Salome ist ein Abend für Profi-Zuschauer, die komplexe Musik in eher traditioneller Optik mögen – für alle anderen bieten in Regensburg Freax (modern und extrem schräg) oder Orpheus in der Unterwelt (knallige Unterhaltung mit Spaßfaktor) passendere Alternativen.

#Halleluja #DinnerpartygoesBible #NurnichtdenKopfverlieren

 

5 thoughts on “Wildes Tanzdinner

  1. Der Kommentar ist eine Freude. Zum Besuch der Oper verführt er nicht. Respekt vor der Rezensentin!

  2. So viel schon einmal vorab: Ich habe die hier rezensierte Salome noch nicht gesehen und weiß auch nicht, ob ich aufgrund meiner räumlichen Entfernung zur Stadt Regensburg überhaupt die Gelegenheit haben werde, sie sehen zu können. Aber ich empfinde mich selber als Musiktheater-Connaisseur und Profi-Zuschauer mit einem persönlichen Interesse am Musiktheater in Regensburg. In dieser Eigenschaft fiel mir die vorliegende Kritik der Salome-Neuinszenierung auf, die ich so nicht unkommentiert stehenlassen möchte. Die Kritikerin irrt, wenn sie die Strauss-Oper als staubtrocken bezeichnet, als eine Oper, die auch nicht im Verlauf eines ganzen Jahrhunderts geschmeidiger geworden sei und die nur ein paar Fans in Verzückung versetze, hingegen bei vielen anderen lediglich ein großes Fragezeichen im Gesicht hinterlasse. Das mag vielleicht der persönliche Eindruck der Kritikerin von der von ihr besuchten Vorstellung gewesen sein, dabei verkennt sie jedoch, dass musikgeschichtlich durchaus ernstzunehmende Stimmen Salome als den Prototypen der modernen Oper und das Tor zur Neuen Musik bezeichnen. Es handelt sich hier nicht um ein selten gespieltes Nischenwerk für eine Handvoll Kenner und Liebhaber, sondern um einen für die Entstehungszeit sehr kühnen Meilenstein in der Musikgeschichte, der heute zum Kernrepertoire aller großen Opernhäuser gehört. Es wäre wünschenswert gewesen, wenn dieser gewichtige Umstand in der Kritik deutlicher geworden wäre. Da die Premiere indes umjubelt gewesen sein soll, können in den Gesichtern des Regensburger Kenner- und Profi-Publikums nicht allzuviele Fragezeichen zu erkennen gewesen sein.

    Des weiteren empfinde ich es als befremdlich, wenn die Kritikerin die sich aus dem Typ einer Darstellerin oder eines Darstellers angeblich abzuleitende (Nicht-) Erotik als unvereinbar mit den jeweiligen Rollen bezeichnet. Dass hier gerade im Genre Oper oftmals eine gewisse Eigenphantasie des Zuschauers gefragt ist, liegt doch auf der Hand und macht gerade dieses Genre in meinen Augen immer wieder von Neuem spannend. Auf diesen unauflösbaren Widerspruch soll bereits Richard Strauss selber mit einem Augenzwinkern hingewiesen haben, indem er bemerkte, für seine Salome brauche man eine 16jährige Prinzessin mit der Stimme einer Isolde.

    Zum Abschluss möchte ich die Frage aufwerfen, welche Werke aus dem Repertoire des Musiktheaters die Kritikerin denn mit dem billigen Vino-Rosso aus dem Aldi-Tetrapack assoziiert, wenn für sie die Salome den schwersten Rotwein mit intensiver Barrique-Note verkörpert. Freax? Orpheus in der Unterwelt? Oder die stets beliebten Werke von Mozart, Verdi und Puccini?

    1. Vielen Dank für diesen ausführlichen Kommentar! Wir freuen uns immer sehr, wenn unsere Rezensionen Feedback bekommen.
      Deshalb antworte ich (Judith), darauf auch sehr gern:
      Zunächst einmal möchte ich vorweg schicken, dass ich „staubtrocken“ als ausgesprochenes Qualitätsmerkmal von Rotwein empfinde und mir dieser bildhafte Vergleich für die Oper auch passend schien. (Mit Tetrapak-Wein würde ich übrigens Helene Fischer und nicht Mozart in Verbindung bringen: künstlich, simpel und geschmacksfrei.) Das aber nur am Rande.
      Ich finde Ihren Kommentar besonders deshalb so spannend, weil er genau mit der angedeuteten Sicht des „Profi-Zuschauers“ an die Sache herangeht. Was ich damit meine: Sie sagen, es läge doch auf der Hand, dass bei Oper viel Eigenphantasie vom Zuschauer gefordert wird. Deshalb erscheint es Ihnen – so verstehe ich jedenfalls Ihren Text – als obsolet darüber zu reden, ob man nun das Gefühl hat, dass die Sänger zu ihren Rollen „passen“ oder eben nicht.
      Und genau das glaube ich nun aber nicht. Oper wird sehr oft als elitär und abgehoben empfunden – zu Unrecht meiner Meinung nach. Doch ich kann verstehen, wieso das viele Menschen denken: Oper verlangt vom Zuschauer sehr viele Vorab-Bedingungen an die Rezeption. Etwa diejenige, dass eben nach Stimme und nicht nach Alter, Aussehen oder anderen Punkten besetzt wird, die etwa beim Schauspiel (nicht nur, aber auch) von Belang sind. Außerdem ist es in der Oper völlig normal, dass vermeintlich alltägliche Texte (wie Passagen über das Wetter) mit großem Pathos gesungen werden. Klar sagen Sie nun: Ja, aber bitte, das versteht sich doch von selbst.
      Und da muss ich sagen: Ja, vielleicht geht es da Ihnen und vielen anderen Opernliebhabern so (und ich gehe davon aus, dass nur solche sich Premierenkarten leisten…). Opernfans stellen aber nur einen kleinen Teil der Bevölkerung dar. Das ist sicherlich schade und man kann deswegen anfangen, eine Bildungsmisere zu beklagen. Das ändert aber nichts am gegenwärtigen Zustand. Für den Durchschnittsmensch, der – wenn überhaupt – nur alle paar Jahre mal in die Oper geht, liegen viele der Dinge, die Sie für offensichtliche Opernbedingungen halten, eben nicht auf der Hand. Deshalb halte ich es auch für legitim solche Dinge in einem Text wie meinem anzusprechen.

      Was wir mit unserem Blog tun möchten, ist einen Blick auf Theaterproduktionen geben, der eben kein großes Basiswissen über Theater und Rezeptionsbedingungen erfordert. Daher die vielen Erklärungen, Videolinks und ja, auch der oftmals flapsige Tonfall. Wenn Experten unsere Texte lesen, freut uns das; wir möchten aber bewusst so wenig Fachwissen wie möglich voraussetzen. Das gelingt uns manchmal besser und manchmal schlechter.
      Wie ich in dieser Rezension dezidiert schreibe: ich glaube, dass Salome nichts für den Gelegenheitsgänger ist – da halte ich etwa Orpheus für viel passender. Das bedeutet übrigens keine Abwertung einer der beiden Produktionen. Vielmehr betont es, welch große Vielfalt das diesjährige Musiktheaterprogramm in Regensburg zu bieten hat. Nicht jedem kann und muss alles gefallen. Vielleicht helfen unsere Rezensionen dem ein oder anderen bei der Entscheidung, was er sich ansehen möchte und was eher nicht. Ein negatives Theatererlebnis (gerade in der Jugend) kann nämlich oft dazu führen, dass Leute überhaupt keine Lust mehr haben sich damit auseinanderzusetzen. Und das wäre doch nun wirklich schade!

      Eine Rezension gibt immer die Sicht des Rezensenten wieder. Mein selbstgestecktes Ziel ist es dabei, meine Position möglichst nachvollziehbar zu begründen. Das bedeutet dann aber nicht, dass der Leser meine Meinung teilen muss. Im Idealfall zeigt es allerdings, wie ich zu dieser Auffassung gekommen bin – diese erhebt deswegen nicht den Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Ein eigenes Urteil kann sich jeder am Ende nur selbst bilden.

      Vielen Dank für Ihren Kommentar und wir freuen uns auch über weitere Positionen/Antworten.
      Judith von Samt&Selters

      1. Auf die ausführliche Antwort zu meinem vorstehenden Kommentar vom 16.05.2017 möchte ich Folgendes erwidern: Ich begrüße es ganz grundsätzlich, dass sich der hiesige Blog primär nicht an den Profi-Zuschauer, sondern eher an den Durchschnittsmenschen wendet und unter anderem auch das Ziel hat, Berührungsängste in Bezug auf das in der Tat oftmals als sehr elitär und abgehoben empfundene Genre Oper abzubauen. Allerdings halte ich es bei einem derart lobenswerten Ziel für verfehlt, dem wenig bis gar nicht vorgebildeten und opernunerfahrenen Durchschnittsmenschen von einem Besuch der Salome explizit abzuraten, weil es ohnehin nichts für ihn sei. Das erscheint in meinen Augen als sehr anmaßend und dürfte den durchschnittlichen Leser der hier vorliegenden Salome-Kritik auch extrem unterschätzen. Denn wer sich als Nicht-Profi-Zuschauer bis zu einer Kritik über die Strauss-Oper Salome durchklickt, der ist für mich zunächst einmal grundsätzlich interessiert und sollte nicht – wie hier geschehen – demotiviert, sondern gerade zu einem Opernbesuch motiviert werden. Ich halte es da mit dem Titel des im Jahr 2014 erschienenen Buchs „Erwarten Sie Wunder!“ des Dirigenten Kent Nagano über klassische Musik. Noch viel besser gefällt mir der englische Titel dieses Buchs: „Expect the unexpected“. Der Durchschnittsmensch und Durchschnittszuschauer ist niemals zu unterschätzen. Wunder sind möglich!

        1. Hmmm, ich habe jetzt zugegebenermaßen eine ganze Weile überlegt, inwiefern ein Rat anmaßend sein kann, liegt es doch in der Natur eines solchen, dass ihn das Gegenüber annehmen kann oder auch nicht.
          Aber vielleicht liegt es ja daran, dass Sie meine Einschätzung zu Salome so verstanden haben, dass jemand besonders klug sein muss, um die Inszenierung gut zu finden. Wie ich ausgeführt habe, glaube ich aber vielmehr, dass es eine Frage von Seh- und Hörgewohnheiten ist, die einem komplexe Musik erschließen lässt oder eben nicht. Das hat viel mit Übung und wenig mit grundsätzlicher Intelligenz oder Bildung zu tun. Oder um es anders auszudrücken: ich würde diesen Rat auch mir selbst geben. Müsste ich mich entscheiden, ob ich Salome oder vielleicht die wunderbare Hans Heiling Inszenierung aus der letzten Spielzeit noch einmal besuchen würde – da würde ich mir selbst zu Heiling raten. Meinen Eltern habe ich übrigens geraten, sich den Orpheus anzuschauen. Und zwar einfach aus dem Grund, weil ich glaube, dass sie dabei mehr Freude haben als bei Salome. Dasselbe würde ich bei Literatur machen: Wer eine erste Erfahrung mit den Romanen von Theodor Fontane macht, dem würde ich vorschlagen zunächst mit Effi Briest, Stine oder Frau Jenny Treibel zu beginnen und nicht mit dem langen und handlungsärmeren Vor dem Sturm. Das wäre meine ehrliche Meinung und ich wüsste nicht, was daran anmaßend sein sollte. Jemandem der die letzten zehn Jahre keinen Sport gemacht hat, rät man doch auch zunächst eher zu leichtem joggen als zu einem Halbmarathon – um mal einen (sicherlich etwas zu vereinfachenden) Vergleich anzustellen.
          Abgesehen davon ist, wie eingangs gesagt, doch jeder frei in seiner Entscheidung, was er sich letztlich ansehen möchte oder nicht. Wer sich also wundersam überraschen lassen möchte, wer die Herausforderung sucht, kann dies doch jederzeit tun und könnte durch das Prädikat „eher was für Profis“ vielleicht sogar noch angespornt werden.
          Dass auch ausgesprochene Nicht-Profi-Zuschauer tatsächlich unsere Opernkritik lesen, wissen wir, denn wir kennen viele persönlich 😉

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