Im Zeichen der roten Schleife

Aidstanzgala 2016
Alle Tänzer der Aidstanzgala beim Schlussapplaus. (Foto: Judith Werner)
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Benefizveranstaltungen, Charity-Events, Spenden-Kaffeekränzchen – Viele Veranstaltungen für den guten Zweck sind ziemlich Spaß-befreit und anstrengend. Das nimmt man dann murrend hin, schließlich geht es ja um die gute Sache. Hier macht die Aids-Tanzgala, die in diesem Jahr bereits zum 14. Mal stattfand, eine erfreuliche Ausnahme: Tanzkompanien aus der ganzen Welt stürmen einen Abend die Bühne des Velodroms – ohne Gage, aber dafür mit Können, Präzision und Leidenschaft.

Locker-flockig moderiert wurde der Abend (organisiert vom Regensburger Tanzsparten-Vize Christian Maier) zum wiederholten Male von Ivica Novakvic. Der ehemalige Tänzer sprühte vor Charme, so dass ihm Bürgermeisterin Gertrud Malz-Schwarzfischer, eine seiner Interviewpartnerinnen, die versehentliche Verunglimpfung ihres Namens schnell verziehen haben dürfte. Der Versuch Novakvics, Kobe zur Hauptstadt von Yuki Moris Heimat Japan zu erklären (vielleicht als Huldigung der dortigen Ausbildungsstelle des Regensburger Tanzchefs?), brachte ihn selbst nur kurzfristig ins Schleudern. Mit knallroten Socken, Lackschuhen und (modisch diskussionswürdiger) Leinen-Pluderhose verbreitete der Moderator jede Menge gute Laune und traf doch stets den richtigen Ton für ein ernstes Thema. „Elonwabeni“, eine Regensburger Projekt für HIV-positive Kinder in Südafrika, wurde ebenso vorgestellt wie die Arbeit der Oberpfälzer Aidshilfe. Im Zentrum aber standen acht umjubelte Tanzdarbietungen, die unterschiedlicher nicht hätten sein können.

Fazit: Guter Zweck und guter Tanz – was will man mehr?!

Der Abend in kommentierten Bildern (Texte im Mouse-Over):
(Fotos von Alba Falchi – mit freundlicher Genehmigung des Theaters Regensburg)

Mensch | Lablanca Movement Factory – Spanien

Das getanzte Zitat. Dass Popkultur heutzutage visueller denn je ist, wissen nicht nur Kulturwissenschaftler. Veronica Bracaccini und Maria Focaraccio eröffneten die Gala mit einer höchst unterhaltsamen Performance, die in ihren Bewegungen Gaming-Elemente mit Slapstick gekonnt kombinierte.

Jarred| Theater Regensburg

Simone Elliot, Tänzerin am Theater Regensburg, choreografierte im Rahmen der letzten Tanzfabrik für ihre Kollegen „Jarred“. Hier durften die Tänzer ihre eigenen Ängste thematisieren – eine atmosphärische Darbietung, die vor allem von ihren stillen Momenten lebte, in denen nur das Atmen unter dem kalten Nebel der in eisiges Licht getauchten Bühne zu hören war.

Callas | Konzert Theater Bern – Schweiz

Bei "Callas" geht es um das Leben der großen Opern-Legende. Vier Tänzerinnen stellen die Sängerin im gleichnamigen Abend dar, der in Bern erst noch Premiere feiern wird. In Regensburg gab es also eine partielle Uraufführung. Olive Lopez und Winston Ricardo Arnon lieferten eine zutiefst sinnliche Leistung ab, bei der es nur eins zu bedauern gibt: Dass Bern nicht um die Ecke liegt!

Play| Landerer&Company - Deutschland

Simone Deriu und Luigi Sardone waren nur zwei der Namen, die der Moderator mit sprachlicher Verve verkündete – ein italienischer Abend sei es fast, meinte Novakovic mit Blick ins Programm. In der Choreografie von Felix Landerer ging es um getanzte Machtspiele – mal freundlich, mal hart: "Play"

2 Solos from 7 Dialogues | Dance en ensemble – Berlin

Das Mitmach-Stück des Abends? Der – geplante – Zwischenruf in Brit Rodemunds Performance kam als Antwort auf ihren Hilfeschrei: Ihre Beine wollten einfach nicht aufhören zu manisch zu tanzen, während ihre Arme sich in ganz andere Richtungen verrenkten. Special Credit: Wer bei soviel akrobatischer Action noch klar und deutlich sprechen kann, hat jede Menge Puste.

Julia Leidhold | Me plus X – Regensburg

Julia Leidhold – Man kann sie getrost als Lokalmatadorin der Regensburger Tanzszene bezeichnen. Als Tänzerin – noch unter Olof Schmidt – feierte sie zahlreiche Erfolge am Haus. Zur diesjährigen Tanzgala kam sie mit einem Stoff-Kunstwerk. "Airborn" heißt das Kleid, das in ihrer Darbietung zum Tanzpartner und Gegenspieler wurde. Eine textile Diva - das "plus X".

Container Ship | Jan Ole Olstad – New York

Die Frauenstimmen, die die Uraufführung "Container Ship" von Jan Ole Olstads Solo begleiteten, erzählten von Missbrauch, von zerstörten Träumen und neuer Hoffnung. Und manche Sätze klangen so als kommentierten sie die aktuelle Weltlage: "You play so hard, you're afraid to win."

Three | Introdans – Niederlande

Als echtes optisches "Bonbönchen" wurde der Abschluss-Act anmoderiert und das war nicht zu viel versprochen. Vor allem aber boten die drei Herren (daher "Three") von Introdans einen temporeichen, vor muskulöser Energie strotzenden Schlusspunkt, der sich ironisch mit den Schwächen des (angeblich) starken Geschlechts auseinandersetzte.